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Datum: 28.05.2026

Stadt Weißenfels prüft Müller-Kaufhaus als neuen Bibliotheksstandort

Die Schließung der Müller-Drogerie Ende April 2026 war ein herber Schlag für die Innenstadtentwicklung von Weißenfels. Zumal Oberbürgermeister Martin Papke gemeinsam mit vielen engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern wie der Landtagsabgeordneten Elke Simon-Kuch intensiv für den Erhalt des Standortes gekämpft hatte. Das Stadtoberhaupt kündigte aber bereits nach Bekanntwerden der Schließung im Februar 2026 an, Gespräche zur künftigen Nutzung des Gebäudes zu führen. „Das Gebäude darf nicht in spekulative Hände geraten. Als Stadt werden wir alles daransetzen, das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern und eine gute Lösung für Weißenfels zu finden“, sagte er damals. Nun wurden hierfür erste Weichen gestellt.

Der Aufsichtsrat der WVW Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH hat in seiner Sitzung am 24. April 2026 beschlossen, dass das kommunale Wohnungsunternehmen das Müller-Kaufhaus erwerben soll. Entsprechende Verkaufsgespräche mit Drogerie-Chef Erwin Müller, dem Eigentümer des Gebäudes, wurden bereits im Vorfeld geführt. Ziel ist es, das Objekt über einen Erbbaupachtvertrag der Stadt Weißenfels zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. Damit eröffnet sich für die Kommune die Möglichkeit, das Gebäude in der Jüdenstraße 2 zu einem neuen Bibliotheksstandort mit Panorama-Café umzubauen. Die bisherigen Pläne für einen Bibliotheksneubau in der Jüdenstraße 1 bis 5 würden in diesem Fall nicht weiterverfolgt werden. Auch die Weiterführung der architektonischen Planungsmaßnahmen würde gestoppt werden. Die 2,3 Millionen Euro aus dem Abwasser-Rechtsstreit, die entsprechend eines Stadtratsbeschlusses vom Februar 2023 für den Bibliotheksneubau in der Jüdenstraße eingesetzt und als Eigenmittel zur Teilfinanzierung der Gesamtbaumaßnahme genutzt werden sollen, könnten mit einem neuen Stadtratsbeschluss stattdessen für den Umbau des Müller-Kaufhauses verwendet werden. Ein Vorteil der Variante im Müller-Kaufhaus wäre eine zeitlich schnellere Umsetzung. Der Umbau zu einem Bibliotheksstandort ließe sich voraussichtlich zügiger und wirtschaftlicher realisieren als ein Neubau in der Jüdenstraße 1 bis 5.

Um diesbezüglich eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat zu schaffen, erstellt die Stadt Weißenfels derzeit eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Voraussetzung für einen Kurswechsel wäre zudem die Zustimmung der Kommunalaufsichtsbehörde des Burgenlandkreises. Unter Vorbehalt einer positiven Entwicklung würden den Stadträtinnen und Stadträten am 2. Juli 2026 entsprechende Beschlüsse vorgelegt werden.

Die Entwicklung der Gebäude in der Jüdenstraße 1 bis 5 bleibt auch im Fall eines Kurswechsels weiterhin im Fokus. Oberbürgermeister Martin Papke hat hierzu bereits Gespräche mit potenziellen Investoren geführt. Vorstellbar wäre eine Sanierung mit dem Ziel, modernen Wohnraum zu schaffen. Aufgrund des Denkmalwertes der Gebäude und der damit verbundenen steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten stellt das Vorhaben grundsätzlich ein attraktives Investitionsprojekt dar.

Rückblick:
Die bisherigen Pläne sahen den Neubau einer modernen Bibliothek in der Jüdenstraße 1 bis 5 vor. Der Stadtrat hatte bereits im November 2022 beschlossen, einen Architekturwettbewerb durchzuführen. Im Sommer 2024 wurde der Planungswettbewerb „Neue Bibliothek Weißenfels“ ausgelobt. Im November desselben Jahres ging das Berliner Büro Behles & Jochimsen Architekten GmbH als Gewinner des planerischen Architekturwettbewerbs hervor. Die Wettbewerbskosten in Höhe von mehr als 100.000 Euro hatte die Stadt Weißenfels komplett mit Eigenmitteln finanziert.

Für die neue Bibliothek war in der Jüdenstraße 1 bis 5 eine Fläche von etwa 1.200 Quadratmetern vorgesehen. Ein enormer Unterschied zur derzeit sehr beengten Situation auf 250 Quadratmetern im Novalishaus. Zudem sollte ein begrünter Innenhof zur Auflockerung der dichten Bebauung in der Jüdenstraße beitragen. Die Kosten des gesamten Bibliotheksprojektes werden aus heutiger Sicht auf etwa zehn Millionen Euro geschätzt. Das Bauvorhaben ist noch nicht ausfinanziert. Die Kommune plante Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für den Förderzeitraum ab 2028 zu beantragen.