Mauern, Gewölbe, Decken: Sanierung von Schloss Neu-Augustusburg läuft auf Hochtouren
Die Stadt Weißenfels stemmt derzeit eine Herkulesaufgabe. Etwa 40,8 Millionen Euro fließen bis zum Jahr 2030 in das Schloss Neu-Augustusburg. Der Südflügel und der südliche Westflügel der Barockanlage werden denkmalgerecht saniert und zu einem Behördenstandort umgebaut. Die Arbeiten finden hinter der dicken Schlossmauer und im Inneren von Neu-Augustusburg statt. Und dort hat sich bereits einiges getan. Aufträge im Wert von zwölf Millionen Euro hat die Stadtverwaltung schon vergeben. Allein im Jahr 2026 sollen sechs Millionen Euro umgesetzt werden.
Passend zu den Zahlen zeigt sich beim Blick hinter die Kulissen geschäftiges Treiben auf der Baustelle. Der größte Kraftakt: die Mauerwerksanierung. Auf allen drei Etagen müssen die Außenwände, die Mittelwände, die Gewölbedecken und Fensterbögen statisch ertüchtigt werden. In den Jahren von 2012 bis 2018 erfolgte dies bereits mit Fördermitteln aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ im südlichen Westflügel.
Auch im Südflügel wurden wichtige Maßnahmen zur statischen Sicherung vorgenommen. Mithilfe einer Förderung aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ wurden in den Jahren von 2018 bis 2021 in dem 78 Meter langen Gebäudeteil unter anderem sogenannte Zuganker eingebaut. Dafür wurden von einer Außenwand bis zur anderen Außenwand röhrenförmige Hohlräume in den Sandstein gebohrt, in die lange Stahlstangen – die Zuganker – geschoben wurden. Weiterhin wurde die tragende Mittellängswand statisch ertüchtigt. Auch das Gewölbe im Erdgeschoss des Ostgiebels wurde gesichert.
Im Januar 2026 erfolgte dann die Einrichtung der aktuellen Baustelle. Mittlerweile wurde im gesamten Südflügel der Putz von Wänden und Decken entfernt. Zum Vorschein kamen – wie damals im südlichen Westflügel – zahlreichreiche Schäden und Fehlstellen im Mauerwerk. Nahezu jede der sechs Meter hohen Wände benötigt Ausbesserungen und Reparaturen. Mithilfe von kleinen Plastikröhrchen – den sogenannten Packern – wird jetzt Injektionsmörtel in die Hohlräume zwischen den Steinen gedrückt und die Wände auf diese Weise wieder verfestigt. Zum Teil müssen aber auch ganze Bereiche des Natursteinmauerwerks ausgetauscht werden. Im Jahr 2027 werden dann die nichttragenden Wände zurückgebaut. Um während all dieser Arbeiten die Last von den Wänden und Decken zu nehmen, verwenden die Bauarbeiter riesige Holzbalken als Stützkonstruktion. In den kommenden Monaten werden auch die Gesimse in der Fassade sowie die Fenstergewände aus Naturstein repariert und erneuert.
Die größte äußerlich sichtbare Änderung werden die Fassadenarbeiten mit sich bringen. Noch in diesem Jahr erhält der südliche Westflügel von Schloss Neu-Augustusburg zunächst einen frischen Außenputz und dann in den Folgemonaten einen Farbanstrich. Dieser orientiert sich an der Gestaltung der Nordhälfte, die aus repräsentativen Gründen bereits in den Jahren 2005 bis 2010 erneuert wurde und das Erscheinungsbild des Schlosses seitdem maßgeblich prägt. Nach mehr als 25 Jahren wird sich die Barockanlage damit wieder in einem einheitlichen Gesamtbild präsentieren. Der Innenausbau mit Trockenbauwänden, Innenputz und haustechnischen Installationen ist ab dem Jahr 2028 vorgesehen.
Um aktuellen Vorschriften des Brandschutzes gerecht zu werden, erhält der Südflügel von Neu-Augustusburg zudem ein zweites Treppenhaus. In den vergangenen Monaten fanden hierfür umfangreiche Abrissarbeiten statt, sodass sich jetzt ein großer Schacht vom Erdgeschoss bis ins Dachgeschoss zieht. Die neue Treppe wird voraussichtlich noch in diesem Jahr mithilfe einer Treppenschalung errichtet. Dabei handelt es sich um eine Gussform für Beton. Zeitgleich wird auch das alte, historische Treppenhaus saniert und wie einst zu Herzogszeiten wieder mit Sandsteinstufen hergerichtet. Beide Treppenhäuser erhalten im Sinne der Barrierefreiheit zudem Aufzüge.
In einem maroden Zustand befinden sich auch die Holzbalkendecken über dem ersten Obergeschoss des Schlosses. Sie werden komplett erneuert und durch Ziegelsteindecken ersetzt, deren Träger in den tragenden Wänden aufliegen und damit die geforderte Stabilität gewährleisten. Die Holzbalkendecken über dem zweiten Obergeschoss bleiben erhalten. Sie sind an sogenannten Hängesprengwerken befestigt. Das sind riesige Stahlträger im darüberliegenden Dachgeschoss, die von Wand zu Wand spannen. Insgesamt fünf dieser Konstruktionen wurden seit Januar 2026 errichtet.
Auch im Keller erfolgte in den Jahren von 2012 bis 2021 die Mauerwerkssanierung. Hier soll nun auch der alte, stark beschädigte Betonboden entfernt und durch eine neue Bodenplatte ersetzt werden. Das Problem: Im Südflügel des Schlosses existiert gar kein Zugang zum Keller. Es gibt lediglich eine kleine Außentür, die zu einer schmalen Kellertreppe führt. Um die großen Mengen an Abbruchmaterial nach draußen zu transportieren, wurden in den vergangenen Monaten drei Schächte errichtet. Hierfür wurden Stahlträger zwölf Meter tief in die Erde eingebohrt und dann jeweils sieben Meter tiefe Gruben ausgehoben. Eine echte Herausforderung bleibt der Abtransport des Abbruchmaterials trotzdem, da die Arbeiten aufgrund des mangelnden Platzes zu großen Teilen händisch erfolgen müssen.
Die Schachtarbeiten sind nicht die einzigen Baumaßnahmen auf dem Außengelände von Neu-Augustusburg. Auf dem Schlossvorplatz und auf der Terrasse wurde jeweils eine unterirdische Löschwasserzisterne mit einem Volumen von 150 Kubikmeter errichtet. Die Arbeiten sind abgeschlossen. Auf der Terrasse wird eine Aufstellfläche vorgehalten, die Feuerwehrfahrzeuge im Notfall nutzen können. Im vorderen Teil der Terrasse ist zudem ein Baumhain geplant. Von September 2026 bis Mitte des Jahres 2028 werden die Stützmauern entlang des Südflügels des Schlosses und die Treppe zum Stadtarchiv erneuert. In den kommenden Wochen wird vor Ort zudem eine Maßnahme der Stadtwerke Weißenfels umgesetzt. So werden von der Schlossauffahrt bis zur Schlossterrasse neue Leitungen für die Fernwärmeversorgung verlegt. Im Rahmen der Arbeiten an der Außenanlage wird im Anschluss die südliche Fläche zwischen Schloss und Schlossmauer neugestaltet.
Hintergrund:
Der Südflügel und der südliche Westflügel von Schloss Neu-Augustusburg werden für 40,8 Millionen Euro denkmalgerecht saniert und zu einem Behördenstandort umgebaut. Die Baumaßnahme wird mittels der Förderrichtlinie Sachsen-Anhalt Revier 2038 (Investitionsgesetz Kohleregion) gefördert. Somit übernimmt von den förderfähigen Gesamtkosten der Bund einen Anteil von 33 Millionen Euro und das Land Sachsen-Anhalt einen Anteil von 1,7 Millionen Euro. Die restlichen insgesamt gut sechs Millionen Euro steuert die Stadt Weißenfels aus Eigenmitteln bei. Inklusive der Kreditzinsen hat die Kommune insgesamt einen Betrag von gut neun Millionen Euro zu stemmen. Zur Refinanzierung des kommunalen Eigenanteils haben Finanzminister Michael Richter und Oberbürgermeister Martin Papke am 18. September 2025 einen Langzeitmietvertrag über mindestens 20 Jahre zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und der Stadt Weißenfels unterzeichnet.
„Hinter diesem Vertrag steckt viel politische Arbeit. Ohne ihn wäre eine Ausfinanzierung des Bauvorhabens nicht möglich gewesen“, sagt Martin Papke und erinnert sich an den Moment, als für das Strukturwandelprojekt nach der Förderzusage die erste baufachliche Prüfung erfolgte und plötzlich erhebliche Mehrkosten im Raum standen. „Uns war klar, dass die Schlosssanierung für eine Stadt unserer Größe mehr als ambitioniert ist. Trotzdem war das für uns ein unerwarteter Stressmoment, der auch mich viele schlaflose Nächte gekostet hat. Dass eine Lösung gefunden wurde und wir das Vorhaben nun umsetzen, ist der guten Zusammenarbeit mit dem Land und dem Stadtrat, der Unterstützung aus der Bevölkerung und natürlich dem guten Team der Stadtverwaltung zu verdanken“, sagt Martin Papke.
Im Südflügel und südlichen Westflügel von Neu-Augustusburg entstehen insgesamt 208 Arbeitsplätze. Das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Süd (ALFF Süd) soll im Jahr 2030 mit etwa 160 Bediensteten in das Schloss einziehen. Derzeit ist das ALFF Süd in zwei sanierungsbedürftigen Landesliegenschaften in Weißenfels und Halle (Saale) untergebracht. Mit dem Umzug befinden sich die Arbeitsplätze dann an einem gemeinsamen Standort. Weitere Büros wird voraussichtlich das Amt für Bauaufsicht der Stadt Weißenfels nutzen. Die restlichen Flächen sind ebenfalls ans Land Sachsen-Anhalt vermietet.