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Datum: 23.02.2026

Frauen zwischen Tradition und Wandel

Etwa 60 Frauen aus Weißenfels und Umgebung waren am 17. Februar 2026 ins Rathaus gekommen, um sich über ihr Leben im ländlichen Raum auszutauschen. Passend zum Motto der Veranstaltung „Zwischen Tradition und Wandel: Frauen im Land“ ging es darum, wie Altes bewahrt und Neues gestaltet werden kann.

Über ihre eigenen Erfahrungen sprach in diesem Zusammenhang Franziska Zobel. Die Winzerin und Streuobstfachwirtin wohnt im Weißenfelser Ortsteil Obschütz und zeigt, wie Tradition weiterlebt, wenn sie neu gedacht wird. Mit viel Leidenschaft berichtete sie den Frauen von ihrem naturverbundenen und nachhaltigen Leben und Arbeiten. So ist sie beruflich bei der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut tätig, rekultiviert in Obschütz Streuobstwiesen und betreibt seit dem Jahr 2021 ihre eigene Cider-Manufaktur „Trinkender Zobel“. Außerdem bewirtschaftet die dreifache Mutter zusammen mit ihrem Ehemann einen Selbstversorgergarten, hält Hühner und Schafe und ist ehrenamtlich unter anderem beim NABU aktiv. Im Gespräch mit der Weißenfelser Gleichstellungsbeauftragten und Moderatorin des Abends, Katja Henze, erzählte Franziska Zobel, wie sie ihre vielfältigen Aufgaben miteinander verbindet, ihren Alltag organisiert und welche Herausforderungen dabei entstehen.

Inspiriert von dieser Lebensgeschichte erzählten auch die Frauen im Publikum von ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen. Unter anderem ging es darum, welche Werte in den Familien wichtig sind, welche Rolle Frauen früher im Dorf einnahmen und mit welchen Erwartungen und Aufgaben sie sich heute konfrontiert sehen? Mit großer Offenheit erzählten sie, in welchen Bereichen sie neue Wege beschreiten, wo sie sich eigene Freiräume schaffen und welche Ziele sie antreiben.

Dabei wurde deutlich: Die Frauen schätzen die Natur vor der Haustür sowie die Ruhe, Entspannung und Übersichtlichkeit ihres Lebens im ländlichen Raum – zu dem übrigens auch die Stadt Weißenfels gehört. Dennoch bringen diese Entwicklungen besondere Herausforderungen mit sich, wie es Grit Ranscht, Mitglied im Landesvorstand des LandFrauenverbandes, in einer Rede formulierte, die krankheitsbedingt spontan von Elvira Herger, der Kreisvorsitzenden des LandFrauenverbandes, vorgetragen wurde. „Frauen organisieren Familie, übernehmen Verantwortung in Betrieben und engagieren sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft, wodurch sie gesellschaftliche Strukturen am Leben halten. All das geschieht im besonderen Kontext des ländlichen Raumes. Hier bedeutet ein Arztbesuch Planung. Hier ist der Weg zur Schule kein Spaziergang um die Ecke. Hier ist der Arbeitsplatz oft viele Kilometer entfernt. Einkaufsmöglichkeiten gibt es vielerorts nicht. Das Leben auf dem Land fordert – logistisch, finanziell und organisatorisch“, verlas Elvira Herger.

Über politische, wirtschaftliche und familiäre Einflüsse auf das Leben von Landfrauen sprach in einem Vortrag zudem der promovierte Agrarwissenschaftler und Familientherapeut Dr. Andreas Metten. Die Mitglieder des Landfrauenverbandes sorgten außerdem für das leibliche Wohl der Gäste. Selbstgemachte Brotaufstriche sowie herzhafte und süße Snacks konnten probiert werden. Zudem standen die Apfel- und Birnenschaumweine aus der Manufaktur „Trinkender Zobel“ zur Verkostung bereit.

„Zwischen Tradition und Wandel: Frauen im Land“ wurde organisiert und durchgeführt vom LandFrauenverband Sachsen-Anhalt e.V. und von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Weißenfels Katja Henze. Die kostenfreie Veranstaltung fand anlässlich des „Internationalen Jahres der Frauen in Land- und Forstwirtschaft“ statt. Für Katja Henze war es in diesem Jahr bereits das zweite Event zu diesem Thema. Am 22. Januar 2026 hatte sie im Rahmen des 19. Zukunftsforums Ländliche Entwicklung in Berlin bereits ein Fachforum mit dem Titel „Zukunft braucht neue Räume – wie Regionalplanung weibliches Engagement stärkt“ moderiert. Im Mittelpunkt des Forums stand die Frage, wie Frauen in ländlichen Regionen besser vor antifeministischen Angriffen geschützt und in ihrem Engagement gestärkt werden können.