Wunden sichtbar machen
Gewaltschutz und Prävention stehen im April 2026 in Weißenfels im Fokus. Für eine Veranstaltungsreihe zu dieser Thematik arbeiten die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Weißenfels und Naumburg sowie des Burgenlandkreises zusammen. Mit dem Programm fördern sie eine ganzheitliche Betrachtung, die von der akuten Unterstützung über die fachliche Kompetenz bis hin zur gesellschaftlichen Wahrnehmung reicht. Auf dem Plan stehen eine Weiterbildung zum Thema „Vertrauliche Spurensicherung“ und ein Fachtag zum Thema „Sexualisierte Gewalt – Sexualisierte Traumatisierung in der Sozialen Arbeit“. Beide Angebote sind kostenfrei und richten sich an Fachkräfte aus der Sozialen Arbeit, Pädagogik, Verwaltung, Justiz und sicherheitsrelevanten Bereichen. Ergänzt wird die Reihe durch das Theaterstück „Die fabelhafte Traumashow – Manege frei für das Nervensystem“, das sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger richtet.
Weiterbildung „Vertrauliche Spurensicherung“
17. April 2026, 9-12 Uhr, Sitzungssaal im Rathaus Weißenfels (Markt 1)
Anmeldung: https://eveeno.com/117026992
Fachtag „Sexualisierte Gewalt – Sexualisierte Traumatisierung in der Sozialen Arbeit“
22. April 2026, 8:30-16 Uhr, Kulturhaus Weißenfels (Merseburger Straße 14)
Anmeldung: https://eveeno.com/fachtag_2026
Theaterstück „Die fabelhafte Traumashow“
23. April 2026, 17:30 Uhr, Kulturhaus Weißenfels (Merseburger Straße 14)
Ticketvorverkauf: 18,66 Euro, Touristinformation Weißenfels am Markt 3 sowie online unter reservix.de (Abendkasse: 20 Euro)
„Gewaltschutz und Prävention sind Themen, die unsere Gesellschaft als Ganzes berühren. Es geht um Betroffene, Fachkräfte und gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung. Nur wenn alle drei Ebenen ineinandergreifen, können wir etwas bewirken. Aus diesem Grund ist unsere interkommunale Zusammenarbeit auch so wichtig. Denn nur auf diese Weise können wir hier im ländlichen Raum regelmäßig solch qualitativ hochwertige Veranstaltungen für Fachkräfte und für interessierte Bürgerinnen und Bürger anbieten“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weißenfels Katja Henze.
Einen leichten Zugang zu dem schweren Thema „Trauma“ ermöglicht die „fabelhafte Traumashow“ von Danne Hoffmann und Ellen Schieß. Beide haben eine professionelle Schauspielausbildung, sind aber auch als Coachinnen tätig. Sie wissen deshalb genau, wie es die Psyche schafft, trotz einschneidender Schicksalsschläge im Alltag zu funktionieren. Mit Herz und Humor nehmen sie das Publikum mit auf eine Reise in das faszinierende Spektakel des menschlichen Nervensystems. „Mit dem Thema Trauma wollen viele Personen nichts zu tun haben. Aber jede und jeder hat gewisse Reizpunkte. Das muss nichts Gravierendes sein. Oft sind es die kleinen Dinge, die uns immer wieder auf die Palme bringen, ohne dass wir verstehen, warum“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte des Burgenlandkreises Barbara Döring. Genau an diesem Punkt setze das Theaterstück an – auf eine ausgesprochen unterhaltsame und überraschend heitere Weise. „Alle Gäste gehen mit neuem Wissen und mit einem tieferen Verständnis für sich selbst und ihre Mitmenschen nach Hause“, verspricht Barbara Döring.
Die bereits vierte Auflage erlebt der Fachtag „Sexualisierte Gewalt“ in Weißenfels. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits Prävention, Intervention und Aufarbeitung im Fokus standen, geht es in diesem Jahr um das Thema „Traumatisierung“. Der Fachtag findet in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Burgenlandkreises statt und wird durch die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt LiCHTUNG! vom AWO Sozialwerk Halle (Saale) gGmbH umgesetzt. Die Nachfrage ist enorm. Aufgrund des großen Interesses wurde die Veranstaltung von drei auf vier Workshops aufgestockt, wodurch auch das Teilnahmekontingent von 70 auf 100 Personen erhöht werden konnte. Bereits in den ersten 24 Stunden war die Hälfte der Plätze vergeben. „Aus wissenschaftlichen Erkenntnissen wissen wir, dass ein Trauma ein ganzes Leben lang auf eine Person einwirken kann. Viele Betroffene ahnen davon aber nichts, weil sie Strategien entwickelt haben, um im Alltag zu funktionieren, ohne über das Erlebte sprechen zu müssen“, erklärt Katja Henze. Diese Situation stelle nicht nur für die Betroffenen selbst eine große Herausforderung dar, sondern auch für die Fachkräfte. „Sie kommen eventuell an Grenzen, weil sie mit Reaktionen umgehen müssen, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Genau hier setzt der Fachtag an. Er beleuchtet die Besonderheiten sexualisierter Traumatisierung und deren Bedeutung für die professionelle Praxis. Ziel ist es, Fachkräfte in ihrer Handlungssicherheit zu stärken und Impulse für eine traumasensible Arbeit zu geben. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden ermutigt, auch auf ihre eigene seelische Gesundheit zu achten – denn wer andere unterstützt, braucht ebenso die Fähigkeit, sich selbst zu schützen.
Um die aktive Stärkung von Gewaltopfern geht es bei der vertraulichen Spurensicherung – einem Thema, bei dem noch immer Wissenslücken vorliegen. Das möchte das Netzwerk „Evidence“ (deutsch: Beweis) ändern. In dem Kooperationsprojekt zur vertraulichen Spurensicherung arbeiten in Sachsen-Anhalt inzwischen fünf Kliniken eng mit dem Institut für Rechtsmedizin in Halle zusammen. Nach häuslicher oder sexualisierter Gewalt gewährleisten sie eine qualitätsgesicherte, rechtlich korrekte Dokumentation und Aufbewahrung von Befunden und Spuren – vertraulich und unabhängig davon, ob die Betroffenen anschließend Anzeige erstatten oder nicht. Eine dieser Kliniken ist seit vergangenem Jahr das ASKLEPIOS Klinikum, das vordergründig für den Burgenlandkreis zuständig ist. In einem Vortrag für Fachkräfte erläutert Dr. med. Carolin Richter von der Uniklinik Halle, wie die vertrauliche Spurensicherung Betroffenen neue Handlungsspielräume eröffnet. Anja Spiegel vom AKLEPIOS Klinikum erklärt anschaulich die Abläufe in der Praxis. Dieses Wissen ist von zentraler Bedeutung, damit Polizei und Unterstützungsnetzwerke in akuten Situationen schnell und gezielt handeln können. Zudem können sie ihr Wissen an (potentielle) Betroffene weitergeben und sie stärken, indem der unmittelbare Entscheidungsdruck entfällt und zukünftige Handlungsspielräume wachsen. Das Netzwerk „Evidence“ wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.