Inhalt
Datum: 17.04.2026

Heinrich-Schütz-Haus: Schließung, Umzug, Umbau

Anfang Mai beginnt der Abriss des Nebengebäudes des Heinrich-Schütz-Hauses. Bereits jetzt laufen deshalb die Umzugsvorbereitungen in der Musikergedenkstätte. Das teilten Oberbürgermeister Martin Papke, Heinrich-Schütz-Haus-Leiter Dr. Maik Richter und Bauverantwortliche Mitte März 2026 bei einem Pressegespräch mit.

„Mit der Sanierung des Heinrich-Schütz-Hauses und der Errichtung eines Erweiterungsbaus gehen wir einen wichtigen Schritt, um Weißenfels als touristisch attraktiven Standort weiter zu entwickeln. Heinrich Schütz zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Stadt. Sein Wirken und Schaffen sollen künftig nicht nur für Weißenfelserinnen und Weißenfelser, sondern auch Gäste aus nah und fern erlebbar werden“, sagte Martin Papke. Auch für die gesamte Nikolaistraße sei das Vorhaben ein großer Gewinn. „Durch die baulichen Veränderungen zu DDR-Zeiten hat die Nikolaistraße viel von ihrem ursprünglichen Charakter verloren. Aber sowohl die Stadt Weißenfels als auch zahlreiche Partnerinnen und Partner setzen sich dafür ein, das Quartier in den nächsten Jahren positiv zu entwickeln“, sagte das Stadtoberhaupt. Der Umbau habe zudem überregionale Bedeutung. „Mit dem Heinrich-Schütz-Haus sowie den neu entstehenden gastronomischen und kulturellen Angeboten rund um den Marktplatz schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass künftig noch mehr kunst- und kulturinteressierte Besucherinnen und Besucher nach Weißenfels kommen“, sagte Martin Papke.

Die Umgestaltung des Heinrich-Schütz-Hauses beginnt mit dem Abriss des Nachbarhauses in der Nikolaistraße 9. Das Gebäude steht seit Juli 2019 leer. Der Abbruch selbst erfolgt erschütterungsarm und wird eng überwacht. Da keine statischen Verbindungen zum Musikermuseum bestehen – der Giebel des Heinrich-Schütz-Hauses steht autark – sind derzeit baulichen Probleme nicht zu erwarten. Stehen bleibt das Fundament des Plattenbaus, eine 1,80 Meter starke Betonplatte. Hierauf gründet sich später ein Teil des Neubaus.

Mit dem Rohbau des neuen Nebengebäudes beginnen die Handwerker im August dieses Jahres. Das Projekt gilt nach den Worten von Martin Papke als ein „architektonischer Wurf“. Mit seiner Fertigstellung im Jahr 2028 wird das Gebäude über ein neu gestaltetes Treppenhaus den künftigen Hauptzugang zum Heinrich-Schütz-Haus bilden. Dieser mittels eines Durchbruchs zum Schütz-Haus geschaffene barrierefreie Durchgang gilt zudem als Teil eines Rettungswegs. Der zweite Rettungsweg befindet sich im Treppenhaus des Hinterhauses, welches dann ebenfalls sanierten sein wird. Die Barrierefreiheit wird auch durch den Einbau eines Fahrstuhls gewährleistet. In dem Erweiterungsbau befinden sich später ein Sonderausstellungsraum, Mitarbeiterbüros, barrierefreie Besucher-WCs, die Hausbibliothek und ein Handschriftenmagazin.

Das Hintergebäude des Heinrich-Schütz-Hauses ist ebenfalls ein wichtiger Teil der Baumaßnahme. Der dortige Raum für die Musikpädagogik wird barrierefrei zugänglich. Auch Magazin- und Lagerräume, Künstlergarderoben und Künstler-WCs sollen dort Platz finden. Der Hof wird neu gepflastert und baulich geöffnet, um ihn zukünftig noch besser für verschiedene Veranstaltungsformate nutzen zu können.

„Schütz zieht aus“ – das Musikermuseum wird geräumt
Ein Baubetrieb bei gleichzeitiger Offenhaltung des Museums ist leider nicht möglich. Deshalb wurde das Heinrich-Schütz-Haus am 7. April 2026 für drei Jahre geschlossen. Die Ausstellungsstücke ziehen um oder werden eingelagert.

Die Vorbereitungen für den Umzug laufen bereits seit Januar 2026 mit der Erstellung des Leistungsverzeichnisses und der Firmensuche. Seit März 2026 wird im Schütz-Haus ausgeräumt. Denn das Mobiliar kann zwar während der Baumaßnahmen abgedeckt stehen bleiben, aber die Museumskleinode müssen kulturgutschonend an andere Orte verbracht werden. Dazu zählen die Musikaliensammlungen, das Hausarchiv, Musikinstrumente des Weißenfelser Musikvereins und Materialien der Musikwerkstatt. Einige Exponate wie die hölzerne Skulptur der Pietà (Mitteldeutschland um 1550) werden in den abschließbaren Räumen der herzoglichen Gemächer im Schloss Neu-Augustusburg eingelagert. Auch das Epitaph für Bürgermeister Martin Hundt (Christoph Maler, Cranach-Werkstatt, um 1515), ein Ölgemälde mit der Ansicht des 1979 abgerissenen Gasthofes „Zum Schützen“ (Otto Wolf, 1931) und das dazugehörige Hausmodell (Weißenfelser Musikverein, 2000) finden ihren Platz im Weißenfelser Schloss.

Bisherige Leihgaben werden für die Zeit der Schließung an die verschiedenen Leihgeber (Stiftung Händel-Haus Halle, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig im GRASSI) zurückgegeben.

„Schütz außer Haus“ – Museumspädagogik und Veranstaltungen
Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heinrich-Schütz-Hauses arbeiten vorübergehend in anderen Domizilen. Einrichtungsleiter Dr. Maik Richter bezieht im Technischen Rathaus Quartier. Dort katalogisiert und digitalisiert er die Sammlung, die der Weißenfelser Musikverein „Heinrich Schütz“ e.V. für das Musikermuseum angekauft hat. Außerdem wird er Sonderausstellungen für die Zeit nach der Neueröffnung konzipieren sowie Präsentationen und Kabinettausstellungen für die Dauer der Schließung des Heinrich-Schütz-Hauses erarbeiten. Auch Veranstaltungen gilt es zu organisieren. Dr. Maik Richter blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Umbauzeit: „Das Heinrich-Schütz-Haus vorläufig zu verlassen, fällt mir sehr schwer. Dafür freue ich mich aber umso mehr auf die Wiedereröffnung dieses prächtigen Renaissancehauses und seiner Dauerausstellung. Wir wollen die Ausstellung modifizieren und technisch modernisieren, die Wegeführung an die neuen Gegebenheiten anpassen und den Architektur- sowie den Kinderpfad aktualisieren. Im Jahr 2029 werden wir mit einer spannenden Sonderausstellung wiedereröffnen.“

Auch die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heinrich-Schütz-Hauses können vorerst nicht ihrer Tätigkeit in der Musikergedenkstätte nachgehen. Sie sind während des Umbaus in anderen städtischen Kultureinrichtungen tätig und begleiten die Veranstaltungen des Hauses. Denn Konzerte, Lesungen, Vorträge und die beliebten Barocktanzworkshops werden während der Schließung an verschiedenen externen Orten angeboten (Alle Termine sind unter www.schuetzhaus-weissenfels.de aufgeführt).

Und auch die beiden freiberuflichen Museumspädagoginnen arbeiten weiter für das Heinrich-Schütz-Haus. Sie bieten Schulprojekte in der Marienkirche sowie Angebote direkt in Kitas, Grundschulen und Horteinrichtungen an. „Insgesamt bleibt es ein Kraftakt,“ sagte Dr. Maik Richter abschließend. „Es ist aber einer, der nicht nur zeitlich begrenzt ist, sondern sich vor allem auch wirklich lohnt.“

Die Kosten der Baumaßnahmen betragen insgesamt etwa 5,9 Millionen Euro. Sie werden vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt in Höhe von etwa 4,25 Millionen Euro gefördert. Dabei beträgt die Bundeszuwendung 4,1 Millionen Euro und die des Landes 152.500 Euro. Die Summe der Eigenmittel der Stadt Weißenfels beläuft sich auf etwa 1,65 Millionen Euro. Die Baumaßnahme „Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels“ wird durch die Zuwendung des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Strukturwandels im Braunkohlerevier ermöglicht.